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"Der Fremde entsteht, wenn in mir das Bewußtsein meiner Differenz auftaucht, und er hört auf zu bestehen, wenn wir uns alle als Fremde erkennen". Ausgehend von einer Phänomenologie lebensweltlicher Erfahrung des Fremdseins, die auch die Glücksmomente, das Befreiende einer solchen Erfahrung nicht unterschlägt, vergegenwärtigt die Autorin "Momente der abendländischen Geschichte, in denen der Fremde gedacht, in denen er aufgenommen oder zurückgewiesen worden ist, aber in denen innerhalb des Horizonts einer Religion oder Moral auch die Möglichkeit einer Gesellschaft ohne Fremde erträumt werden konnte".§Die Stationen dieser Vergegenwärtigung führen von der griechischen und jüdischen Geschichte über das frühe Christentum mit Paulus und Augustinus, die frühe Neuzeit u. a. mit Dante, Machiavelli, Montaigne, bis zur Aufklärung, einschließlich der Französischen Revolution, und der Romantik (Montesquieu, Voltaire, Diderot, Kant, Hegel, Herder). Mit Kants Geschichtsphilosophie ist schließlich die fortgeschrittendste Etappe eines aufklärerischen Kosmopolitismus erreicht.§Julia Kristeva wäre nicht die Psychoanalytikerin, die sie auch ist, bliebe sie an diesem Punkt der Analyse stehen: In Anlehnung an Freud zeigt sie, daß die Thematisierung des Fremden, des Anderen solange unvollständig bleibt, als sie nicht Freuds "kopernikanische Wende" mit vollzieht, die da lautet: "das andere ist mein (eigenes) Unbewußtes". Ausgehend von dieser psychoanalytischen Einsicht plädiert Kristeva für einen Umgang mit dem Fremden, der in einer Ethik des Respekts für das Unversöhnbare in uns selbst gründet.§
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