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Galt einst noch als Primat der Medienkritik, im "Pop" das Widerständige, das subkutan Aufklärerische, überhaupt ein grundsätzlich subversives Potenzial zu erkennen, so müssen wir heute in der späten "Kontrollgesellschaft" (Deleuze) einen doppelten Backlash konstatieren, der - in Theorie wie kultureller Praxis - Pop oft identitär und damit: reaktionär deutet.
Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes fragen, was von den subversiven Konzepten der "semiologischen Guerilla" (Eco) und dem "Aufstand der Zeichen" (Baudrillard) übrigblieb, was als subversiv in der Populärkultur gelten, und ob Subversion in der populären Kultur überhaupt eine "Rebellion gegen jede Form von Macht und Unterdrückung" (Agnoli) sein kann. Der Band bietet in Einzelstudien sowohl Theorie- als auch Kulturproduktionen aus dem Zeitraum vom Zweiten Weltkrieg bis heute, sowohl um bestimmte Traditionen historisch zu rekonstruieren als auch vor aktuellem Horizont neu zu situieren. Unsere Leitfragen dabei sind: Wie verhält es sich mit dem Warencharakter von insbesondere populärer Kultur in einer augenscheinlich gänzlich verdinglichten Welt ("Guerilla-Marketing")? Besteht dennoch die Möglichkeit einer "rettenden Kritik" (Benjamin)? Wie kann Medienkritik als transzendent oder immanent konzipiert werden? D.h.: Ist es überhaupt möglich, einen Außenstandpunkt mit "richtigem Bewusstsein" einzunehmen im falschen Leben, d.h. jenseits ideologischer "Anrufung" (Althusser), und wenn ja, wie? Auf welche Weise ist die epistemologische Relation von Partikularität und Universalität kritisch zu fassen, insbesondere in Diskussionen der Dialektik von Haupt- und Nebenwidersprüchen im Prozess kapitalistischer Vergesellschaftung (Klassismus, Antisemitismus, Sexismus, Rassismus)? Wie klingt der "Mainstream der Minderheiten" und seine musikalischen Formen von Rap und Heavy-Metal? Wie tragen sich traditionell als 'rechts' verstandene Genres und ästhetische Formen, wie traditionell als 'links' verstandene,etwa die Komödie, in die gegenwärtige Medienkultur ein? Kurzum, wie ist es heute bestellt um die Subversion als Existenzform von Kritik in nicht-revolutionären Zeiten, gleichwohl als Vorbereitung der universalen Emanzipation?