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Was bedeutet es, noch dieselbe Person zu sein, wenn sich der Körper verändert - Stück für Stück, Update für Update, Ersatz für Ersatz? Jannik Ohlert stellt in seinem Debütband "Das Theseus-Protokoll" genau diese Frage, und er stellt sie mit einer Präzision, die noch lange nachwirkt.Sieben eigenständige Erzählungen entführen den Leser in eine nahe Zukunft, in der Schlafimplantate den Aufwachzeitpunkt berechnen, Körperteile durch Biosynth-Fasern ersetzt werden und jede emotionale Regung protokolliert, verglichen und auf Abweichung geprüft wird. Im Mittelpunkt steht stets die fundamentale Frage der menschlichen Identität: Was bleibt vom Selbst, wenn das Gewebe, das Gedächtnis, die Gefühle einer permanenten technischen Optimierung unterworfen werden?Ohlerts Figuren sind keine Helden im klassischen Sinne - sie sind Kalibriertechnikerinnen, Patienten nach Induktionsverletzungen, Menschen, die morgens ihre eigenen Emotionen auf einer internen Skala vermessen und erschrecken, wenn die Messwerte nicht mehr stimmen. Die Spannung dieser Geschichten liegt nicht in äußerer Handlung, sondern in der leisen, fast unmerklichen Verschiebung des Innen: dem Moment, in dem Ungeduld den Schmerz ersetzt, dem Blick in den Spiegel, der keine Antwort gibt.Was "Das Theseus-Protokoll" besonders macht, ist sein klarer, nüchterner Ton - eine Sprache, die ebenso sachlich klingt wie die Welt, die sie beschreibt, und dadurch umso stärker berührt. Ohlert schreibt mit wissenschaftlicher Kühle und humanistischer Wärme zugleich, und dieser Kontrast ist es, der die Texte so eindringlich macht.Ein außergewöhnliches Debüt für alle, die Science-Fiction als Literatur über das Menschsein verstehen.
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