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Das flache Weltbild
Die Sehnsucht nach einer überschaubaren Realität
Warum glauben im 21. Jahrhundert Menschen wieder daran, dass die Erde eine Scheibe ist? Die Antwort liegt nicht in den Gesetzen der Physik, sondern im Zustand unserer Gesellschaft. Das Phänomen der Flacherde ist kein skurriler Bildungsunfall - es ist das radikale Symptom einer tiefen gesellschaftlichen Entfremdung.
Karsten Häusler seziert in dieser eiskalten Analyse die Psychomechanismen hinter dem modernen Wahn. Er zeigt, wie der unbefangene Blick des Auges mit der mathematischen Gewissheit des Globus kollidiert und warum die Weigerung zur kognitiven Abstraktion der erste Schritt in ein geschlossenes System der Leugnung ist. Von den historischen Wurzeln des Bedford-Level-Experiments im viktorianischen England bis hin zu den heutigen digitalen Rabbit-Holes führt der Weg mitten in die ökonomische Realität unserer Gegenwart.
Dieses Buch deckt schonungslos auf, wie systematischer Kontrollverlust, prekäre Lebenslagen und soziale Entwertung den Nährboden für alternative Realitäten schaffen. Die Erdscheibe wird zur psychologischen Rettungsinsel gegen die Überforderung einer komplexen Moderne. Wo die eigene Wirksamkeit im Alltag zu schwinden droht, bietet der Mythos eine radikale Status-Erhöhung: Vom verunsicherten Beobachter zum „erwachten Wissenden", der die angeblich größte Lüge der Menschheitsgeschichte durchschaut hat.
Das flache Weltbild ist ein soziologisches Skalpell. Eine präzise Abrechnung mit der Sucht nach einfachen Wahrheiten und ein ungemütliches Dokument über die Verweigerung von Vernunft, Bildung und eigener Verantwortung.