Eine persönliche Chronik und ein politischer Kompass
"Du wirst immer eine Ausländerin sein, ganz egal, wie gut dein Deutsch ist." Alex Stanic ist 12 Jahre alt, als sie diesen Satz hört, ausgesprochen von einem Stammgast ihrer bosnischen Eltern, die ein Wirtshaus betreiben. Ein Satz, der seine Schatten vorauswirft: Rechte Gedanken und Werte sind aus den Gaststuben und Wohnzimmern in die 8-Uhr-Nachrichten, die Feuilletons und Regierungsprogramme gewandert.
Ausgehend von ihrer eigenen Migrationsgeschichte, dem Aufwachsen zwischen Frittatensuppe und Cevapcici, ihrer queeren Selbstfindung und ihrem Werdegang zu einer der wichtigsten kritischen Stimmen des deutschsprachigen Social Media verwebt Alex Stanic ihre Lebensgeschichte mit pointierter Analyse der gesellschaftlichen Entwicklungen.
Ausländergöre, Sozialschmarotzerin, Kulturbeschmutzerin, Svabica, Männerhasserin, Kampflesbe - In ihrem ersten Sachbuch wird jede dieser Zuschreibungen für Stanic zum erzählerischen Ausgangspunkt, um Klassenfragen, Misogynie und Rechtspopulismus zu beleuchten. Auf berührende Art und Weise zeigt sie auf, vor welchen Herausforderungen mehrfach marginalisierte Personen stehen und welche Brücken es zu bauen gilt, um diese zu überwinden.
Stanic ist soft, aber streitet aus Strategie, denn: ohne Konflikt, keine Veränderung. Sie schreibt radikal nah an sich selbst, ohne in eine Opferrolle zu schlüpfen, aber mit unbeirrtem Blick für strukturelle Gewalt.